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Die im Folgenden vorgestellten Nonadhärenztrigger basieren auf 154 Interviews mit Patienten, die Peter Jungblut im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts in den Jahren 2021 bis 2024 geführt hat. Die meisten Befragten hatten ihre Therapie im ersten Jahr nach der Diagnosestellung abgebrochen. Die Gründe, die sie dafür nannten, waren vielfältig – ließen sich jedoch auf vier grundlegende kognitive Verzerrungen zurückführen, die wir als Nonadhärenztrigger bezeichnen.
„Kognitive Verzerrungen“ ist ein Sammelbegriff für systematische Fehler beim Wahrnehmen und Beurteilen von Informationen. Sie gehören zu den am besten erforschten Denkmustern der Entscheidungsforschung und zählen zu den zentralen Ursachen dafür, dass Menschen immer wieder falsche oder nachteilige Entscheidungen treffen. Auch Therapieentscheidungen werden durch sie beeinflusst – oft völlig unbewusst und selbst dann, wenn Patienten überzeugt sind, rational zu handeln.
Für jede dieser vier Verzerrungen haben wir einen visuellen Denkanstoß entwickelt. Wir bezeichnen ihn als Think Shot, weil er Denkmuster ins Wanken bringt. Das Ziel dieser Think Shots ist, Patienten zu motivieren, mit ihrem Arzt oder Apotheker über Sorgen, Zweifel und Unsicherheiten im Zusammenhang mit ihrer Therapie zu sprechen.
Die Verlustaversion beschreibt einen der stärksten und am besten erforschten Mechanismen menschlicher Entscheidungsprozesse: Verluste wiegen emotional deutlich schwerer negativ als Gewinne in gleicher Höhe positiv. Überspitzt ausgedrückt: Wir verzichten lieber auf einen möglichen Gewinn, wenn wir bei der Entscheidung auch etwas verlieren könnten.
Bei medikamentösen Therapien führt dieser Trigger sehr häufig zu nonadhärenten Entscheidungen. Patienten nehmen den Nutzen eines Arzneimittels eher als abstrakten, in der Zukunft liegenden „Gewinn“ wahr, während die möglichen Risiken oder Nebenwirkungen als unmittelbare, spürbare „Verluste“ erscheinen.
Besonders Menschen, die Risiken nicht nach Faktenlage, sondern emotional bewerten (und das ist die Mehrzahl), sind anfällig für dieses Denkmuster. Für sie haben wir diesen visuellen Denkanstoß entwickelt.
Er zeigt, wie verzerrt unsere Risikowahrnehmung sein kann: Wir steigen täglich ohne Bedenken in ein Auto – und fürchten gleichzeitig die Risiken von Arzneimitteln, die unsere Gesundheit wiederherstellen sollen, obwohl das Risiko, bei einem Autounfall zu Schaden zu kommen, um ein Vielfaches höher ist.
Die Selbstbestätigung – psychologisch als Confirmation Bias bezeichnet – beschreibt die Tendenz, Informationen so auszuwählen, zu interpretieren und zu erinnern, dass sie die eigene Überzeugung stützen. Menschen suchen vor allem das, was zu ihrem bisherigen Bild passt, und blenden das aus, was diesem widerspricht.
Bei medikamentösen Therapien führt dieses Denkmuster häufig dazu, dass Patienten Zweifel verstärken und Sicherheit untergraben, statt sie aufzulösen. Wer bereits verunsichert ist oder eine gewisse Skepsis gegenüber Arzneimitteln hat, findet im Alltag schnell Bestätigung: ein Erfahrungsbericht im Internet, eine kritische Bemerkung im Umfeld, eine negative Schlagzeile. Diese einzelnen Informationen werden stärker gewichtet als medizinische Fakten – nicht, weil sie relevanter wären, sondern weil sie das bestehende Gefühl bestätigen.
Unser visueller Denkanstoß, um das Schweigen dieser Patienten zu brechen, setzt genau hier an. Die Selbstbestätigung führt dazu, dass wir vor allem das Risiko sehen – und nicht hinter den emotionalen Impuls schauen, der dieses Gefühl auslöst.
Würden wir innehalten, würden wir erkennen, dass unsere Wahrnehmung oft nur ein kleiner Ausschnitt der gesamten Wahrheit ist.
Die Gegenwartsfalle beschreibt das Phänomen, dass wir die unmittelbare Gegenwart stärker gewichten als alles, was in der Zukunft liegt. Kurzfristige Erleichterung fühlt sich real und spürbar an – langfristiger Nutzen dagegen abstrakt und fern.
Bei vielen Patienten führt genau das dazu, dass sie einzelne Einnahmen auslassen: „Heute lasse ich das Medikament mal weg.“ Was als Ausnahme beginnt, wird schnell zur Gewohnheit. Denn jedes ausgelassene Mal verschafft kurzfristig Ruhe – keine Risiken, kein Aufwand, kein Erinnern.
Das Problem: Die positiven Effekte der Therapie zeigen sich häufig erst später. Die Risiken eines Absetzens jedoch entstehen schleichend und werden im Moment der Entscheidung kaum wahrgenommen.
Um das Schweigen der Patienten, die der Gegenwartsfalle auf den Leim gehen, zu brechen, haben wir zwei visuelle Denkanstöße entwickelt. Das Schachmotiv wird besonders gerne von Augenärzten eingesetzt.


Die Kontrollillusion beschreibt die Tendenz, die eigene Fähigkeit zur Einschätzung einer Erkrankung zu überschätzen. Viele Patienten entwickeln im Verlauf einer Therapie das Gefühl, ihre Krankheit „zu kennen“ und selbst beurteilen zu können, wann eine Einnahme notwendig ist – und wann nicht.
Was als selbstbestimmtes Handeln erlebt wird, ist psychologisch betrachtet oft eine trügerische Form der Kontrolle. Gerade bei chronischen oder zunächst symptomarmen Erkrankungen vermittelt der Alltag schnell den Eindruck, alles sei stabil – auch dann, wenn die Therapie im Hintergrund den größten Teil dieser Stabilität erzeugt.
Patienten mit Kontrollillusion lassen Dosen nicht aus Bequemlichkeit aus, sondern weil sie überzeugt sind, ihre Symptome, Risiken und den Krankheitsverlauf genauer einschätzen zu können, als es die medizinische Empfehlung vorsieht. Das Gefühl subjektiver Kontrolle wirkt dabei stärker als die tatsächliche medizinische Realität.