mit chronischen Erkrankungen setzen ihre Therapie innerhalb des ersten Jahres nach Diagnosestellung ab. Während diese Entscheidung reift, sprechen die meisten weder mit ihrem Arzt noch mit der Apotheke über ihre Bedenken.
Wir zeigen neue Ansätze, die Ärzte und Apotheker dabei unterstützen, frühe Anzeichen von Therapieabbrüchen zu erkennen und Patienten wieder zurück in die Therapie zu holen.
Selbstkritische Beobachtungen aus der Versorgungspraxis – und ihre Konsequenzen
In unseren Praxen erleben wir täglich Patienten, die versichern, ihre Glaukomtropfen regelmäßig anzuwenden. Die Messung des Augeninnendrucks bestätigt diese Angaben häufig.
Gleichzeitig zeigen RNFL-Messungen bei einem Teil dieser Patienten eine fortschreitende strukturelle Schädigung. Diese widersprüchlichen Befunde lassen verschiedene Erklärungen zu. Eine naheliegende ist, dass die Tropfen vor allem im Vorfeld von Kontrollterminen angewendet und anschließend wieder weggelassen werden.
Im Rahmen einer Fortbildung zum Thema Adhärenz haben wir den Adhärenzforscher Peter Jungblut kennengelernt. Er hatte in den Jahren 2021 bis 2024 im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts 154 chronisch kranke Patienten interviewt, die ihr Arzneimittel innerhalb des ersten Jahres nach Therapiebeginn unregelmäßig eingenommen oder eigenmächtig abgesetzt haben.
Darunter befanden sich auch Glaukompatienten mit genau den Verhaltensmustern, die wir aus unserer Praxis kannten. Aus dem intensiven fachlichen Austausch mit Peter Jungblut reifte bei uns die Überzeugung, dass zur Verbesserung der Adhärenz neue Wege erforderlich sind.
Zwei zentrale Erkenntnisse – und ihre Konsequenzen für die Praxis:
Erkenntnis 1: Schweigen
Die meisten Patienten fühlen sich gut über ihre Erkrankung und die Therapie informiert, aber sie sprechen weder mit ihrem Arzt noch mit einem Apotheker darüber, dass die Entscheidung zum Absetzen des Arzneimittels in ihnen reift.
Erkenntnis 2: Wirksamere Nonadhärenztrigger
Auslöser, die die Adhärenz von Patienten untergraben, gab es schon immer. Im digitalen Alltag wirken diese Trigger jedoch häufiger und intensiver. Das Wissen, das Patientenaufklärung vermittelt, erodiert schneller.
Konsequenz: Instrumente zur Früherkennung
Einmal gefasste Überzeugungen lassen sich nur schwer verändern. Deshalb brauchen wir Instrumente, mit denen wir Patienten erkennen können – bevor die Entscheidung gegen die Therapie gefallen ist – und die wir gezielt in der Kommunikation einsetzen können.
Konsequenz: Erweiterte Patientenaufklärung
Patientenaufklärung braucht eine zusätzliche Komponente: Patienten, die verstehen, wie sie Informationen bewerten und welche Denkmuster sie dabei in die Irre führen können, treffen seltener falsche Entscheidungen. Sie muss daher über die reine Wissensvermittlung hinausgehen und die Resilienz gegenüber Nonadhärenztriggern stärken.
Aus diesen beiden Erkenntnissen haben wir konkrete Instrumente entwickelt, mit denen sich Therapieabbrüche früher erkennen und gezielt ansprechen lassen.
Therapieabbrüche entwickeln sich selten abrupt. Meist gehen ihnen Zweifel, Unsicherheiten und innere Abwägungen voraus, über die Patienten nicht sprechen.
Unsere Instrumente setzen genau hier an: Sie unterstützen die Früherkennung nonadhärenter Patienten und schließen eine bislang vernachlässigte Lücke in der Patientenaufklärung.
Think Shots sind aufmerksamkeitsstarke Bildmotive mit kurzen, prägnanten Aussagen. Sie greifen typische Denkmuster von Patienten auf, die im Alltag zu nonadhärenten Entscheidungen führen.
Sie wirken nicht erklärend, sondern irritierend im besten Sinne: Sie bringen vertraute Denkmuster ins Wanken und regen zum Nachdenken an.
Ziel der Think Shots ist die Früherkennung. Sie helfen dabei, Patienten zu erreichen, bei denen Zweifel bereits vorhanden sind, die diese bislang jedoch nicht äußern. Indem sie das innere Zögern sichtbar machen, senken sie die Schwelle, das Gespräch mit Arzt oder Apotheker zu suchen – bevor es zum Therapieabbruch kommt.
Wir haben einen Adhärenzfragebogen entwickelt, der in unterschiedlichen Varianten sowohl für Arztpraxen als auch für Apotheken verfügbar ist.
In der Arztpraxis wird er den Patienten bei der Anmeldung zur Sprechstunde ausgehändigt, im Wartezimmer ausgefüllt und beim Eintritt ins Sprechzimmer an den Arzt übergeben. Damit liegt er genau in dem Moment vor, in dem das ärztliche Gespräch beginnt.
Die Abbildung zeigt die Kernfragen des Fragebogens. Sie sind so konzipiert, dass sie dem Arzt auf einen Blick zeigen, ob das Thema Adhärenz angesprochen werden sollte – und wenn ja, mit welchem Schwerpunkt. Dabei geht es weniger um Faktenwissen als um Erwartungen, Befürchtungen und innere Abwägungen, die das Entscheidungsverhalten der Patienten prägen.
Den Adhärenzfragebogen bieten wir für unterschiedliche Indikationen, Fachgebiete und Anwendungssituationen an. Ergänzt wird er durch begleitendes Schulungsmaterial für Ärzte, Apotheker sowie MFAs/MPAs.
Wenn Sie Interesse haben, sprechen Sie uns gerne an.
Der Schwerpunkt der Patientenaufklärung liegt traditionell auf der Vermittlung von Wissen über Erkrankung und Therapie. Dennoch treffen viele Patienten Entscheidungen, die der Therapie zuwiderlaufen.
Auslöser für solche nonadhärenten Entscheidungen gab es schon immer. Durch Internet und soziale Medien haben diese Nonadhärenz-Trigger jedoch deutlich an Reichweite, Intensität und Überzeugungskraft gewonnen. Einzelberichte, Warnungen, vermeintliche Expertenmeinungen oder persönliche Erfahrungen anderer Patienten beeinflussen Entscheidungen oft stärker als Empfehlungen von Ärzten oder Apothekern.
Die Broschüre „Klar denken, besser entscheiden“ setzt genau hier an. Sie vermittelt kein zusätzliches medizinisches Wissen, sondern erklärt, wie Entscheidungen entstehen – und warum sie im medizinischen Kontext häufig verzerrt sind. Im Mittelpunkt stehen typische Denk- und Entscheidungsmuster, die dazu führen, dass Patienten Risiken falsch einschätzen, Nutzen relativieren oder Therapieempfehlungen infrage stellen.
Ziel der Broschüre ist es, Patienten für diese Denkfallen zu sensibilisieren und ihnen ein besseres Verständnis für ihre eigenen Entscheidungsprozesse zu vermitteln. So entsteht eine neue Grundlage für Gespräche über Therapieentscheidungen – und eine wichtige Ergänzung zur klassischen Patientenaufklärung.
Einer der wichtigsten Produzenten von Patienteninformationen sind Pharmaunternehmen. Wir unterstützen Pharmaunternehmen dabei, diese bislang vernachlässigte Komponente stärker in ihren Informationsmaterialien zu berücksichtigen und Patienten nicht nur zu informieren, sondern auch für typische Entscheidungsfallen zu sensibilisieren.
Diese Broschüre klärt Patienten über unbewusste Denkmuster auf, die zu falschen Entscheidungen führen. Sie ist mit unserer
Website für Patienten
verknüpft. Helfen Sie uns, die Resilienz von Patienten gegenüber Nonadhärenz-Triggern zu stärken, und legen Sie diese Broschüre in Ihrer Praxis oder Apotheke aus.
Bücher darüber, wie wir Menschen denken und entscheiden, gehören weltweit zu den erfolgreichsten Sachbüchern – von Daniel Kahnemans „Schnelles Denken, langsames Denken“ über Nassim Talebs „Der Schwarze Schwan“ bis zu Rolf Dobellis „Die Kunst des klaren Denkens“. Der Grund ist einfach: Wir alle wollen verstehen, warum wir uns manchmal gegen unsere eigenen Interessen entscheiden – und wie wir es besser machen können.
Wir übersetzen dieses Wissen in eine klare, patientenverständliche Sprache und stellen Ihnen regelmäßige Beiträge für Ihre Website sowie passende Social-Media-Posts zur Verfügung.
So geben Sie Ihren Patienten nicht nur wertvolles Orientierungswissen an die Hand – Sie schaffen auch einen starken Anreiz, Ihre Website immer wieder zu besuchen.
Die zentralen Erkenntnisse aus unserem Buch „ADHÄRENZ STÄRKEN“ stellen wir auch als E-Learning-Module zur Verfügung. Dafür haben wir jeweils ein eigenes Modul für Apotheken und für Arztpraxen entwickelt, zugeschnitten auf die unterschiedlichen Anforderungen im Alltag.
Dieses neue E-Learning-Modul zeigt praxisnah, wie Apotheken nonadhärente Patientinnen und Patienten früh erkennen und gezielt unterstützen können.
Peter Jungblut und Christian Fiedler (Leiter der Schlossgarten Apotheke Angelbachtal) stehen gemeinsam dafür, dass in diesem Modul wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Beratungserfahrung überzeugend zusammenkommen.
ADHÄRENZ STÄRKEN ist Lernangebot, das die Beratungskompetenz der Apotheke vor Ort stärkt – kompakt, verständlich und sofort anwendbar.
Unter dem Titel „Nicht die Nonadhärenz ist das Problem, sondern das Schweigen der Patienten“ können Interessierte direkt in das Modul einsteigen und einen Eindruck von Inhalt, Stil und Nutzen gewinnen.
Einfach auf den Button klicken – und erleben, wie spannend und praxisrelevant Adhärenz sein kann.
Ob für Ihr Praxis- oder Apothekenteam, in Qualitätszirkeln, auf Fortbildungen oder Kongressen – unsere Vorträge beleuchten das Thema aus einer neuen Perspektive und zeigen effektive, praxiserprobte Ansätze zur Verbesserung. Anhand echter Patientenerfahrungen zeigen wir, wie Zweifel entstehen, welche Denkfehler Patientenentscheidungen verzerren und wie man Patient:innen in kritischen Momenten wieder Orientierung geben kann. Die Vorträge sind kompakt, praxisnah und liefern konkrete Impulse, die sich sofort im Alltag umsetzen lassen.
In unseren Trainings vertiefen wir das Wissen zu den häufigsten Nonadhärenztriggern und vermitteln sofort anwendbare Kommunikationsstrategien. Ihr Team lernt, die vier Nonadhärenztypen schnell zu erkennen, typische Gesprächsfallen zu vermeiden und Patient:innen in kritischen Momenten gezielt zu stabilisieren. Das Training ist interaktiv, alltagsnah und stärkt die Handlungssicherheit im Umgang mit Patienten.
Für Patient:innen haben wir ein spezielles Fortbildungskonzept entwickelt. Dabei geht es nicht um die klassische Botschaft, wie wichtig die konsequente Einnahme eines Arzneimittels für den Behandlungserfolg ist.
Im Mittelpunkt stehen vielmehr die Impulse des Alltags, die der Adhärenz im Wege stehen – und die Denkmuster, auf die diese Impulse treffen. Genau diese Kombination führt zu nonadhärenten Entscheidungen.
Unsere Fortbildung macht diese Mechanismen sichtbar, regt zum Nachdenken über den eigenen Umgang mit Arzneimitteln an und stärkt dadurch nachhaltig die Adhärenz.
Anstatt eines Vortrags werden Patienten durch eine Posterausstellung mit unseren Denkanstößen geführt. Das Gesamtkonzept umfasst 12 Poster, vier davon zeigt die Abbildung.
Wir bieten Ihnen drei Möglichkeiten der Umsetzung:
Fortbildungen mit einem unserer Experten
Bereitstellung der vollständigen Poster-Serie für Ihre eigene Patientenfortbildung
Bereitstellung der Poster mit Audiosystem zur selbstständigen Erkundung durch Patienten